Auf einen Blick
- Geladene Teilchen der Sonne treffen in der hohen Atmosphäre auf Gase und bringen sie zum Leuchten.
- Die Farbe hängt vom Gas und von der Höhe ab, Grün ist am häufigsten.
- Das Magnetfeld lenkt die Teilchen in zwei Ringe um die Pole.
- In Deutschland gelingt die Sichtung nur bei starken geomagnetischen Stürmen.
Wie Polarlichter entstehen: die Vorgänge der Reihe nach
- Sonnenwind: Die Sonne schleudert ständig geladene Teilchen ins All. Dieser Strom heißt Sonnenwind.
- Magnetfeld: Trifft er auf die Erde, wirkt das Magnetfeld wie ein Schild. Energie wird dort gesammelt und nach einiger Zeit freigesetzt.
- Beschleunigung: Elektronen werden beschleunigt und folgen den Feldlinien in Richtung der magnetischen Pole.
- Zusammenstoß: In der oberen Atmosphäre stoßen sie mit Gasatomen und Molekülen zusammen und versetzen sie in einen energiereicheren Zustand.
- Leuchten: Fallen die Teilchen zurück, geben sie die Energie als Licht ab.
Das Prinzip erinnert an eine Neonröhre, wie die US-Wetterbehörde NOAA erklärt. Dort regt elektrischer Strom ein Gas zum Leuchten an, beim Polarlicht übernehmen das die Elektronen aus dem All. Laut NOAA bilden sich die Leuchterscheinungen typischerweise in 80 bis 500 Kilometern Höhe und damit weit über dem Bereich, in dem Flugzeuge unterwegs sind.
Warum Polarlichter unterschiedliche Farben haben
Die Farbe verrät, welches Gas getroffen wurde und in welcher Höhe das geschah.
| Farbe | Gas | Höhe laut NASA |
|---|---|---|
| Grün, am häufigsten | Sauerstoff | etwa 100 bis 200 km |
| Rot | Sauerstoff | über 200 km |
| Blau | Stickstoff | etwa 100 bis 200 km |
| Rötlich-violett bis rosa | Stickstoff | unter etwa 100 km |
Mischen sich die Farben für das Auge, wirkt das Licht violett, rosa oder fast weiß. Fotos zeigen die Farben oft kräftiger als das bloße Auge, weil Kameras bei langer Belichtung mehr Licht sammeln und unser Farbsehen bei Dunkelheit nachlässt.
Warum Polarlichter meist nur nahe den Polen zu sehen sind
Das Magnetfeld lenkt die Elektronen zu zwei ovalen Ringen, die ungefähr um die magnetischen Pole liegen. Deshalb gehören Nordnorwegen, Island, Nordschweden, Kanada und Alaska zu den klassischen Beobachtungsgebieten. Auf der Südhalbkugel gibt es das gleiche Phänomen, dort spricht man vom Südlicht. Das Wort Nordlicht meint also nichts anderes als das Polarlicht auf der Nordhalbkugel.
Polarlichter in Deutschland: wann das möglich ist
Bei starken geomagnetischen Stürmen dehnen sich die Ringe in Richtung Äquator aus, und dann kann das Leuchten auch über Mitteleuropa auftauchen. Das hängt an der Sonnenaktivität, die in einem Zyklus von durchschnittlich elf Jahren schwankt. Besonders wichtig sind große Massenauswürfe der Sonne. In Phasen mit wenig Aktivität sind Sichtungen in Deutschland selten, und selbst bei hoher Aktivität bleibt das Leuchten hier meist flach am Nordhorizont.
Was das Weltraumwetter damit zu tun hat
Ob es am Himmel leuchtet, entscheidet sich weit draußen. Die Sonne ist nicht gleichmäßig aktiv. Neben dem stetigen Sonnenwind stößt sie bei großen Ausbrüchen riesige Wolken aus geladenen Teilchen aus. Treffen sie die Erde, wird das Magnetfeld kräftig durchgeschüttelt, und man spricht von einem geomagnetischen Sturm. Zwischen dem Ausbruch und der Ankunft auf der Erde vergeht meist einige Zeit, deshalb lassen sich starke Ereignisse oft vorab ankündigen.
Solche Vorhersagen sind aber unsicher. Ob es wirklich zu einem starken Leuchten kommt, hängt auch von der Ausrichtung des Magnetfelds ab, das die Sonnenwolke mitbringt. Passt sie nicht zum Feld der Erde, bleibt der große Auftritt trotz guter Prognose womöglich aus. Darum gehört zu jeder Polarlichtjagd die Bereitschaft, ohne Erfolg nach Hause zu fahren.
| Beobachtungsort | Wann die Chance besteht | Wie es meist aussieht |
|---|---|---|
| Nordnorwegen, Nordschweden, Island | In dunklen Nächten auch bei normaler Aktivität | Bänder und Vorhänge am ganzen Himmel |
| Schottland, Südskandinavien | Bei erhöhter Aktivität | Leuchten im Norden, gelegentlich höher |
| Norddeutschland | Bei starken Stürmen | Schwaches Glimmen am Nordhorizont |
| Süddeutschland | Nur bei sehr starken Stürmen | Oft erst auf dem Foto klar erkennbar |
Die Tabelle gibt nur grobe Anhaltspunkte. Entscheidend bleibt, wie weit sich die Ringe im jeweiligen Sturm nach Süden ausdehnen, und das ist jedes Mal anders.
Welche Formen Polarlichter annehmen
Am Anfang steht oft ein ruhiger Bogen. Bei steigender Aktivität zerfällt er in Bänder, die sich wie ein Vorhang im Wind bewegen. Die senkrechten Streifen folgen den Linien des Magnetfelds. Blickt man direkt nach oben, können sie wie eine Krone aus einem Punkt strahlen. Solche Phasen dauern häufig nur wenige Minuten, danach wird das Licht wieder ruhiger, oder es pulsiert in schwachen Flecken weiter.
So beobachten Sie Polarlichter
- Dunkelheit: Suchen Sie einen Ort abseits von Straßenlaternen und mit freiem Blick nach Norden.
- Klarer Himmel: Wolken verdecken das Leuchten, denn es entsteht weit oberhalb des Wetters.
- Jahreszeit: Im hohen Norden bleibt es im Sommer zu hell, gute Bedingungen bieten die dunklen Monate.
- Geduld: Das Leuchten kommt und geht, oft innerhalb weniger Minuten.
Polarlichter fotografieren: die Grundregeln
- Stativ aufstellen: Lange Belichtungen verwackeln sonst. Ein Handy lehnen Sie zur Not fest an einen Gegenstand.
- Nachtmodus nutzen: Viele Handys sammeln damit über mehrere Sekunden Licht, und die Kamera zeigt mehr Farbe als das Auge.
- Blitz ausschalten: Er hilft bei so weit entfernten Lichtern nicht und blendet nur.
- Fokus setzen: Stellen Sie von Hand auf unendlich, der Autofokus findet im Dunkeln selten Halt.
- Augen schonen: Das Display dunkel stellen, damit sich die Augen an die Nacht gewöhnen.
Kalte Nächte leeren Akkus schnell. Halten Sie einen Ersatz am Körper warm und nehmen Sie warme Kleidung mit, auch wenn der Abend mild beginnt. Die Beobachtung kann Stunden dauern, und das Warten gehört dazu.
Warum auch Technik darauf reagiert
Dieselben Stürme, die Polarlichter erzeugen, wirken auch auf Technik. Satelliten können gestört werden, die Genauigkeit der Positionsbestimmung kann leiden, und Funkverbindungen auf bestimmten Frequenzen fallen zeitweise aus. Fluglinien und Netzbetreiber verfolgen deshalb die Vorhersagen der Weltraumwetterdienste. Im Alltag bemerken die meisten Menschen davon nichts, doch bei sehr starken Ereignissen planen Betreiber von Stromnetzen besondere Vorkehrungen.
Der Name stammt aus früheren Zeiten: Aurora ist die römische Göttin der Morgenröte, borealis bedeutet nördlich. Lange galt das Leuchten als Zeichen oder als Spiegelung des Sonnenlichts im Eis. Erst die Physik des 20. Jahrhunderts konnte die Vorgänge schrittweise klären.
Wer dafür verreisen möchte, findet Anregungen bei den Reisetrends. Wie Forschung mit Energie und Klima umgeht, zeigt der Beitrag zu klimaneutralen Innovationen. Mehr finden Sie in der Rubrik Wissenschaft.
Tipp der Redaktion: Die Vorhersagestelle der NOAA zeigt, wie aktiv das Weltraumwetter gerade ist. Schauen Sie dort vorbei, bevor Sie sich nachts auf den Weg machen.
Eine Reise zu den Polarlichtern planen
Wer gezielt verreist, sollte zwei Dinge zusammenbringen: Lage und Wetter. Orte in der Nähe des Polarlicht-Rings haben auch bei durchschnittlicher Aktivität gute Chancen, doch eine geschlossene Wolkendecke macht jede Nacht zunichte. Planen Sie deshalb mehrere Nächte ein und bleiben Sie beweglich. Küstenorte haben oft milderes, aber wechselhaftes Wetter, im Landesinneren ist der Himmel häufiger klar, dafür wird es kälter.
Auch der Mond spielt mit. Bei Vollmond wirkt das Leuchten schwächer, weil der Himmel heller ist. Ein Blick in den Mondkalender lohnt sich also bei der Buchung. Eine Garantie gibt allerdings niemand. Seriöse Anbieter werben deshalb nicht mit festen Sichtungen, sondern mit guten Bedingungen.
Polarlichter im Süden
Das Südlicht entsteht auf dieselbe Weise wie das Nordlicht und zeigt sich etwa zur gleichen Zeit. Es ist nur seltener zu sehen, weil der Ring dort meist über dem Ozean und der Antarktis liegt. Gute Beobachtungsorte sind Tasmanien, der Süden Neuseelands und das südliche Patagonien. Wer die Antarktis besucht, sieht es oft nicht, denn im dortigen Sommer wird es kaum dunkel. Auch Forschende auf den Stationen erleben das Schauspiel deshalb vor allem im Winter.
Wer in Deutschland Chancen nutzen will, richtet sich am besten eine Benachrichtigung einer Polarlicht-App ein. Fahren Sie bei einem Alarm möglichst schnell und weit aus der Stadt heraus, und suchen Sie einen freien Blick nach Norden, etwa von einer Anhöhe oder an einem See. Das Warten lohnt sich vor allem spät am Abend und nachts, wenn es wirklich richtig dunkel ist.
Häufige Fragen
Sind Polarlichter gefährlich?
Für Menschen am Boden sind sie ungefährlich, weil sie sehr hoch in der Atmosphäre entstehen. Die zugrunde liegenden Stürme können aber Satelliten und Funkverkehr stören.
Kann man Polarlichter hören?
Das lässt sich pauschal nicht sagen, denn es gibt nur vereinzelte Berichte über leise Geräusche. Das Leuchten selbst entsteht so hoch, dass kein Schall davon am Boden ankäme.
Was ist der Unterschied zwischen Nordlicht und Polarlicht?
Polarlicht ist der Oberbegriff für beide Hemisphären. Nordlicht bezeichnet die Erscheinung im Norden, Südlicht die im Süden.
Wann ist die beste Zeit für Polarlichter?
In den dunklen Monaten und in klaren Nächten stehen die Chancen am besten. Im hohen Norden bleibt der Sommerhimmel dagegen meist zu hell.
Sieht man Polarlichter mit bloßem Auge?
Ja, aber oft blasser als auf Fotos. Bei schwachem Leuchten erscheint es dem Auge eher grau, weil unser Farbsehen im Dunkeln nachlässt.
Wie lange dauern Polarlichter?
Das ist sehr unterschiedlich und reicht von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden. Oft wechseln ruhige Abschnitte mit kurzen, besonders hellen Phasen.
Quellen
Die wichtigsten Quellen dieses Beitrags. Stand: November 2026.



